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Vogelleben in Eis und Schnee

Trotz der kalten Jahreszeit herrscht an vielen Stellen ein reges Treiben in der Vogelwelt, denn nicht alle unserer heimischen Brutvögel sind in den warmen Süden gezogen. Zudem haben einige, aus dem hohen Norden stammende Arten den Weg zu uns gefunden. Welche Vögel sind es, die bei uns den Winter verbringen und wie überstehen sie das Winterhalbjahr?

Zu den farbenprächtigsten Vertretern unserer heimischen Vogelwelt zählt der Eisvogel, der bei uns unter anderem in der Elsteraue brütet. Alt eingesessene Brutvögel verbleiben in der Regel auch im Winter in ihrem Brutrevier. Ist der Winter nicht zu streng, können die Eisvögel noch im Bereich von Seen und Flüssen auf die Jagd nach ihrer Hauptnahrung, Kleinfischen von vier bis sieben Zentimetern Größe, gehen. Durch ihre Strömung bleiben vor allem die Flüsse in der Regel längere Zeit eisfrei. Sind jedoch auch diese zugefroren, bricht für den Eisvogel eine Zeit des Hungers an und ein Teil der Tiere überlebt den Winter nicht. Eisvögel versuchen derartige Verluste anschließend durch vermehrte Nachwuchsraten auszugleichen. So können sie bis zu drei Bruten pro Jahr großziehen.

Die Erpel der Stockente sind gut an ihrem grünmetallisch-glänzendem Kopfgefieder zu erkennen (Foto: Harald Krug).
Die Erpel der Stockente sind gut an ihrem grünmetallisch-glänzendem Kopfgefieder zu erkennen (Foto: Harald Krug).

Zu den Überwinterern auf Seen und Flüssen zählen auch mehrere Entenarten. Die Erpel tragen bereits im Winter wieder ihr Prachtkleid und oft ist das Balzgeschehen um die Weibchen bereits in vollem Gange. Häufig sind Stockenten zu beobachten. Sie gehören wie die schwarz gefiederten Bleßrallen zu Wasservögeln, die recht zutraulich sein können und in der Hoffnung auf Futter uns Menschen nahe kommen. Auch Tafel- und Reiherenten sowie Pfeifenten sind zu beobachten. Sieht man die Enten, stehend auf dem Eis, stellt sich die Frage, warum sie nicht anfrieren. Vögel besitzen ein spezielles Wärmeaustauschsystem. Dieses verhindert, dass über die meist nackten Beine Wärme verloren geht. Das abwärtslaufende Blut gibt seine Wärme rechtzeitig an das in den Körper zurückfließende Blut ab. Somit werden die Beine auf fast null Grad abgekühlt. Weil die kalten Füße das Eis nicht antauen, können sie auch nicht auf dem Eis anfrieren.

Zugvögel wie Neuntöter, Rauchschwalbe und Pirol weilen derzeit im warmen Süden. Noch vor Jahrzehnten zogen auch Amsel und Rotkehlchen in diese Richtung. Heute sind sie im Winter häufig an Futterhäusern zu beobachten. Wie bei einigen anderen Vogelarten hat sich ihr Zugverhalten geändert. So wird das Rotkehlchen heute als Teilzieher eingeordnet, denn es ziehen nicht mehr alle Individuen nach Süden. Ein Teil seiner Artgenossen verbringt den Winter bei uns. Wie sein zarter Schnabel verrät, gehört das Rotkehlchen zu den Insektenfressern. Da Insekten im Winter zur Mangelware werden, hat das Rotkehlchen gelernt, sich an das vorhandene Nahrungsspektrum anzupassen. Vor allem in heißem Öl getränkte Haferflocken und kleinere Sämereien helfen ihm über die kalte Jahreszeit. Derart gut versorgt, bestehen gute Chancen, dass uns sein perlender Gesang auch im Winter erfreut. Kommen die anderen Rotkehlchen im Frühjahr aus dem südlichen Winterquartier zurück, haben die daheim gebliebenen Artgenossen bereits Weibchen erobert und die besten Brutreviere besetzt - Pech für die späten Heimkehrer. Sind die Winter jedoch extrem kalt sowie schneereich und fehlt es an Nahrung, sind unter den vor Ort gebliebenen Rotkehlchen Verluste zu verzeichnen. Dann sind noch ausreichend Reviere für heimkehrende Vögel frei.

Aufgrund der milden Winter bleiben auch Stare immer häufiger bei uns. Wird es zu kalt, weichen sie nur kurzfristig aus. Diese Tendenz ist auch bei Bachstelzen, Singdrosseln, Feldlerchen und Rotmilanen zu beobachten.

Vom 06.-08. Januar hatte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zur „Stunde der Wintervögel“ aufgerufen. Auch die Groitzscher Naturdetektive beteiligten sich an dieser Aktion und erfassten eine Stunde lang Vögel am Futterhaus des Naturschutzzentrums Groitzsch. Insgesamt wurden dabei 15 Vogelarten und insgesamt 61 Vögel erfasst, wobei Haus- und Feldsperling die höchsten Werte erreichten. Auch bundesweit haben es diese beiden Arten neben Kohl- und Blaumeise auf die vorderen Plätze geschafft. Im Naturschutzzentrum konnten während der Aktion auch 7 Dohlen beobachtet werden - die kontaktfreudigen Dohlen sind meist in Gruppen oder mit dem Partner unterwegs. Ein Großteil der heimischen Dohlen sind Standvögel, also Vögel, die das ganze Jahr bei uns verweilen. In Groitzsch profitiert die Dohle, der Vogel des Jahres 2012, besonders von den Nistkästen, die in Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung Groitzsch und der Ökologischen Station Borna-Birkenhain eigens für diese Art an hohen Gebäuden der Stadt angebracht wurden.

 

 

Annett Bellmann

NFG Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V.

 

 

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