NFG Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V. | Am Lerchberg | 04552 Borna | Tel.: 03433-741150 | Fax: 03433-741180 | oekostation-birkenhain@gmx.de

Sie sind hier: » Publikationen » Artikel » Forschung zum Schutz...

Forschung zum Schutz der Zugvögel

Metall- und Farbringe – der Personalausweis für Vögel

Viele unserer Zugvögel überwinden jährlich riesige Entfernungen zwischen dem Brut- und Überwinterungsgebiet. Anhand von Metall- und Farbringen sowie dank Sendern und modernster Satellitentelemetrie liefern sie uns Informationen über ihre Zugwege. Die gewonnen Daten bieten Grundlagen für einen verbesserten Schutz der Zugvögel.

Noch vor einigen Jahrhunderten dachten unsere Vorfahren, Schwalben überwintern im Schlamm auf dem Grund von Teichen. Sie konnten sich nicht erklären, wohin die Vögel im Herbst verschwinden. Auch über die Winterquartiere von stattlichen Großvögeln wie dem Weißstorch gab es lange keine Kenntnisse. Erst durch weltweite Handelsbeziehungen und durch Entdeckungsreisen in ferne Länder, wo man aus der Heimat bekannte Vogelarten beobachteten konnte, brachen langsam alte Hypothesen und Theorien vom Winterschlaf der Vögel zusammen. Auch durch die in Deutschland gesichteten, so genannten Pfeilstörche ergaben sich weitere Zusammenhänge. Diese Störche wurden in Afrika angeschossen, konnten aber mit dem reich verzierten, afrikanischen Pfeil noch ins Brutgebiet nach Deutschland zurückkehren. Sie galten als erste Beweise, dass Störche im Winter nach Afrika ziehen.

Obwohl schon in der Antike Vögel, meist Brieftauben, individuell markiert wurden, beginnt die eigentliche Geschichte der wissenschaftlichen Vogelberingung erst im Jahr 1899. Der Däne Mortensen kennzeichnete Vögel mit Aluminiumringen. Im Jahr 1901 wurde die Vogelwarte Rossitten (heutiges Russland) als erste ornithologisch-biologische Forschungsstation der Welt gegründet und nur wenig später die Beringung im großen Rahmen erprobt. Heute wird wissenschaftliche Vogelberingung in zahlreichen Ländern durchgeführt. In Deutschland existieren drei Beringungszentralen: auf der Insel Hiddensee, der Insel Helgoland und in Radolfzell am Bodensee. Sie koordinieren die Tätigkeit von Beringern und werten Wiederfunddaten aus. Viele Beringer sind ehrenamtlich tätig. Für ihre Tätigkeit legten sie eine Beringerprüfung ab. Vor allem die exakte Artansprache ist dabei wichtig und nicht immer leicht.

 

Zu einer der klassischen Fangmethoden gehört das Aufstellen von hauchdünnen Netzen, Japannetze genannt, die in der Regel 2,50 m hoch und mehrere Meter lang sind. Die feinen Netze sind für die Vögel bei Windstille kaum zu erkennen. Gefangene Vögel werden vom Beringer geborgen und anschließend bestimmt, vermessen und gewogen. Handelt es sich um einen Neufang bekommt der Vogel einen leichten Aluminiumring, auf dem ein Buchstaben-Zahlencode sowie ein Hinweis zur zuständigen Vogelwarte stehen. Je nach Größe der Vogelart variiert auch die Ringgröße. Spannend wird es, wenn ein beringter Vogel wieder gefangen wird und so Informationen zu seiner Entwicklung und seinem Zugverhalten gewonnen werden. Auch Aussagen zu Bestandsveränderungen sind dadurch möglich. Neben Wissen zu den Zugvögeln gewinnen wir so auch Informationen zum Verhalten von Vögeln, die ganzjährig bei uns bleiben.

Im Rahmen bestimmter Forschungsprogramme erhalten größere Vögel wie Reiher, Schwäne und Gänse neben dem Metallring auch codierte Farbringe. Angebracht am Hals können die Ringe über größere Entfernungen mit Fernglas oder Spektiv abgelesen werden.

In den letzten Jahren wurden die Forschungsmethoden immer moderner. Vergleichbar einem Rucksack wurden auf dem Rücken ausgewählter Vögel kleine, mit einer Antenne versehene Sender befestigt. Deren Ortung erfolgte per Radar- und Funkpeilung. Dazu folgten die Wissenschaftler den Vögeln per Auto oder Flugzeug, was allerdings sehr zeit- und arbeitsaufwendig war.

Dank der noch recht jungen Satellitentelemetrie gelang ein weiterer Durchbruch auf dem Gebiet der Forschung. Vergleichbar dem Navigationsgerät im Auto kann der Sender jetzt mit Hilfe von Satelliten seine Position selbstständig bestimmen und muss nicht mehr aktiv mit einem Empfänger verfolgt werden. Der am Vogel befestigte Sender wird mit Solarenergie betrieben und steht per GPS mit Satelliten in Verbindung. So kann die Reise der Vögel am Computer verfolgt werden. Die Zugwege und Rastplätze der Vögel können noch detaillierter erfasst sowie Informationen zur vollständigen Reiseroute der Vögel abgerufen werden. Weiterhin sind Aussagen über die vom Vogel zurück gelegten Tagesetappen, die Flughöhe und die Verweildauer an einzelnen Rastplätzen möglich. Die Sender funktionieren über mehrere Jahre, so dass Aussagen über Ortstreue am Überwinterungsplatz oder das Abweichen von Zugrouten gewonnen werden. Bisher wurden vor allem Vogelarten wie zum Beispiel Weißstorch, Saat- und Bleßgans, Rotmilan und Schreiadler mit Sendern versehen. Mittlerweile sind die Sender immer leichter geworden, so dass man auch den kleineren Baumfalken damit ausstatten kann.

Wollen auch Sie die Zugrouten besenderter Vögel verfolgen? Dann klicken Sie auf die Internetseite des NABU und informieren sich über die Reise der Weißstörche Anni, Gustav, Michael & Nick und erfahren die aktuellen Aufenthaltsorte dieser vier Störche.

 

Annett Bellmann

NFG Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V.

 

 

 

Anmelden Passwort vergessen