Räuber-Beute Beziehungen - ein Kampf um Leben und Tod
Wenn die Waldohreule auf die Jagd geht, dann bekommt man als Mensch meist wenig davon mit; ihr Flug ist geräuschlos, sie jagt während der Dämmerung und nachts. Ihre Opfer sind oft chancenlos, denn die Waldohreule benutzt sowohl ihr Gehör als auch ihre Augen, um die potentielle Beute ausfindig zu machen.
Die Waldohreule (Asio otus) gehört zu der Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae) und zählt zu den am häufigsten auftretenden Eulen in Mitteleuropa. Sie ist ungefähr so groß wie ein Waldkauz, jedoch wesentlich schlanker und leichter. Auffällige Merkmale sind die großen Federohren, der Gesichtsschleier und die hervorstehende Befiederung der Stirn. Ihre Gefiederfarbe reicht von hellbraun bis dunkelbraun- schwarz und dient zur Tarnung; eine, im Geäst ruhende Waldohreule ist nur sehr schwer zu erkennen.
Zu der ökologischen Nische der Waldohreule gehören vor allem Landschaften mit offenem Gelände, weshalb sie besonders oft in Gebieten mit Dauergrünflächen und in der Nähe von Mooren angesiedelt ist. Wälder sind nur dann als Lebensraum geeignet, wenn genügend Grünflächen und dementsprechend genügend Beute vorhanden ist. Waldränder dagegen werden durchaus öfter als Ruheplatz oder Brutrevier genutzt.
 - In der freien Natur ernähren sich viele Greifvögel und Eulen, wie auch die hier abgebildete Schleiereule, von Mäusen (Foto: Harald Krug).
Eulen sind Nachtjäger und haben zwei Jagdphasen. Die erste Phase beginnt nach dem ausgiebigen Putzen des Gefieders in der Dämmerung und wird gefolgt von einer zwei bis dreistündigen, bis nach Mitternacht anhaltenden Pause. Anschließend startet die Eule ausgeruht ihre zweite Jagd, die bis zur Morgendämmerung andauert. Letztendlich kommt sie auf eine Jagddauer von circa fünf bis sechs Stunden pro Tag. Als sehr geschickter Jäger fliegt sie dicht über dem Boden und erkennt ihre Beute durch Geräusche oder Bewegungen, die diese von sich gibt. Eine weitere Variante, um an ihre Hauptnahrung, an Mäuse zu gelangen, ist die Ansitzjagd. Hierbei wartet die Eule ruhig im Geäst und lauert ihrer Beute auf.
Neben Mäusen frisst die Waldohreule noch Insekten, die sie direkt vom Boden aufpickt, Maikäfer, die sie fängt, indem sie das Geäst der Bäume absucht oder auch kleine Singvögel, wie zum Beispiel Grünlinge und Sperlinge.
Eule und Maus verhalten sich hierbei nach den Gesetzen der in der Natur auftretenden Räuber- Beute Beziehungen. Diese ist neben der Symbiose, neben dem Parasitismus und neben der Konkurrenz eine interspezifische Beziehung (lat. inter= zwischen). Interspezifische Beziehungen beschreiben das Verhalten von Individuen oder Populationen unterschiedlicher Arten und gehören zu den biotischen (belebten) Umweltfaktoren.
Bei den Räuber-Beute Beziehungen finden drei Regeln Anwendung, die von dem Chemiker Alfred Lotka und dem Mathematiker und Physiker Vito Volterraormuliert wurden und zur Beschreibung der Populationsdynamik dienen.
Die erste Lotka/Volterra Regel besagt, dass die Dichten der jeweiligen Populationen periodisch schwanken und diese Schwankungen phasenverschoben sind. Das heißt, dass die Anzahl der Mäuse und die Anzahl der Eulen abwechselnd ansteigt und wieder sinkt und die Kurve der Eulen (graphisch dargestellt) der Kurve der Mäuse folgt.
Gesetzt der Fall es gibt viele Mäuse, so steht den Eulen ein mehr als ausreichendes Nahrungsangebot zur Verfügung. Folglich können sie sich stärker vermehren. Durch die nun große Anzahl an Eulen, sinkt die Kurve der Mäuse nach kurzer Zeit. Jetzt ist es schwer Nahrung zu finden, die Eulen pflanzen sich nicht weiter fort und ihre Kurve nimmt nachfolgend ebenfalls ab. Aufgrund der geringeren Bedrohung durch den Jäger, können sich die Mäuse wiederum vermehren. Es existiert erneut viel Nahrung für die Eulen und der Kreislauf beginnt von vorne.
Die zweite Lotka/Volterra Regel beinhaltet die Erhaltung der Durchschnittszahlen. Die Populationsdichten schwanken um einen Mittelwert, das heißt, es gibt im Schnitt immer eine bestimmte Anzahl an Mäusen und eine bestimmte Anzahl an Eulen.
Die dritte und letzte Regel behandelt den Verlauf der Populationsdichten nach einer Störung. Sie erklärt, dass sich nach einem Eingriff, wie ein sehr kalter Winter, die Population der Beute leichter erholt und ihre Anzahl aufgrund der größeren Zuwachsrate schneller wieder zunimmt, als die der Räuber.
Man erschrickt leicht, wenn man beobachtet wie eine Maus einer Eule zum Opfer fällt. Dabei ist dies, der Kampf um Leben und Tod, ein normaler Ablauf in der Natur.
Maxime Schnieders Naturförderungsgesellschaft Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V.
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