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Lesesteinhaufen – Lebensraum von Steinschmätzer, Zauneidechse & Co

Lesesteinhaufen umfassen meist nur wenige Quadratmeter. Dennoch bieten sie für eine Vielzahl von Tierarten Unterschlupf, Brutstätte und Ansitzwarte.

Zauneidechse
Zauneidechse

Größere Steine erschweren die Bewirtschaftung der Felder. So werden die Steine geborgen und zumeist am Feldrand abgelegt. Die somit entstehenden Steinhaufen entwickeln sich schnell zu wertvollen Kleinstbiotopen. Besonders Haufen, die im Inneren viele Hohlräume aufweisen, bieten Unterschlupf und Versteck für kleinere Tierarten. Dazu zählen unter anderem Mauswiesel, Bachstelze, Knoblauchkröte und verschiedenen Laufkäferarten sowie Spinnen. Auch die Zauneidechse liebt derartige Strukturen. Tagsüber sonnt sie sich auf den Steinen und kann so ihre erforderliche „Betriebstemperatur“ erreichen. Erst wenn sich ihr Körper nach einer kühlen Nacht ausreichend erwärmt hat, erreicht sie die notwendige Geschwindigkeit, um auf Insektenfang gehen zu können. Werden Lesesteinhaufen gezielt aus Gründen des Artenschutzes angelegt, so kommt neben Steinen auch Sand zum Einsatz. Dieses grabfähige Substrat benötigt die Zauneidechse zur Eiablage. Auch Wildbienen und die Sandwespe profitieren davon.

Wir können uns glücklich schätzen, dass in unserer Region noch der Steinschmätzer als Brutvogel vorkommt. Laut Roter Liste Deutschlands ist die Art „Vom Aussterben bedroht“. Auch der Steinschmätzer als Nischenbrüter ist auf Steinhaufen angewiesen. Das Weibchen legt 5-6 Eier in einen Hohlraum des Steinhaufens. Das Männchen nutzt den Haufen gern als Singwarte. Darüber hinaus benötigt der Steinschmätzer aber auch spärlich bewachsene, meist kurzrasige Flächen. Diese findet er bei uns vor allem in den Bergbau- und Bergbaufolgelandschaften. Generell ist für die erfolgreiche Besiedlung eines Steinhaufens auch das Umfeld entscheidend. So sollten in der Nachbarschaft ein Krautsaum oder eine Feldhecke vorhanden sein. Damit können die Tiere leichter zuwandern, als bei einer isolierten Lage. Wichtig ist auch, dass zumindest ein Teil des Steinhaufens besonnt wird. In größeren Abständen kann eine Pflege erforderlich werden. Breiten sich Gräser und Kräuter flächendeckend aus oder führen aufkommende Gehölze zu starker Beschattung sind zum Erhalt der warmen, trockenen Lebensräume Gegenmaßnahmen erforderlich. Prinzipiell sollten Steine nicht auf der Deponie landen. Die Anlage neuer und der Erhalt bestehender Lesesteinhaufen ist für viele Vertreter unserer heimischen Tierwelt ungemein wichtig. Und vielleicht kehrt dann auch ein weiterer Bewohner der Steinhaufen, der farbenprächtige Wiedehopf zurück.

 

Annett Bellmann

NFG Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V.

 

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