Der Europäische Aal- Ein wandelndes Wunder

Der Europäische Aal- Ein wandelndes Wunder Kein anderer Fisch ist derart faszinierend wie der Aal. Seine komplexe Ökologie und seine eigenartige Gestalt machen ihn zu einem ganz besonderen Lebewesen.
Er besitzt keine Brustflossen und die Rücken,- Schwanz - und Afterflosse sind zu einem durchgängigen Saum verwachsen. Dadurch erhält er in Verbindung mit der schlanken Körperform das Erscheinungsbild einer Schlange.
Allein dieser Umstand führte dazu, dass er einen mystischen Charakter bekommen hat und man sich zahlreiche Geschichten über ihn erzählte. Zum Beispiel wird angenommen, dass er nachts die Gewässer verlässt und auf der Suche nach Nahrung die feuchten Uferzonen durchstreift.
Männliche Tiere werden nur etwa 40cm lang, Weibchen hingegen erreichen maximale Größen von 1,30m. Das Körpergewicht besteht bis zu 30 % aus Fett, dennoch ist die wirtschaftliche Bedeutung als Speisefisch beachtlich, da sein Fleisch gebraten oder geräuchert von vielen Menschen geschätzt wird.
Um sich zu reproduzieren nehmen die Fische Wanderungen von bis zu 5000km in Kauf. Das Laichhabitat ist die Sargassosee, ein ruhiges Seegebiet im Westatlantik. Auf diesem langen Weg lauern zahlreiche Gefahren, wie unüberwindbare Querverbauungen, Fraßfeinde, aber auch Parasiten, wie der Schwimmblasenwurm.
Das Laichverhalten ist bis heute nur wenig erforscht, fest steht jedoch, dass die Alttiere nach der langen Reise und dem anschließendem Paarungsakt verenden. Die Nachkommen beginnen von nun an ein Leben voller Wandlungen, welches in Form einer Weidenblattlarve beginnt, die nach Europa will. Um dieses Ziel zeitnah zu erreichen, nutzen sie den Golfstrom. Nach drei Jahren werden die Flussmündungen Europas erreicht. Dort angekommen ist die typische Schlangenform des Aals bereits erkennbar, jedoch sind die Jungaale durchsichtig und werden daher auch als Glasaale bezeichnet.
Anschließend beginnt die flussaufwärts gerichtete Wanderung, diese treten die Fische als Gelbaale mit entsprechender Färbung an. Dieser Weg wird für ausgiebige Nahrungsaufnahme genutzt, wobei sich zwei Ernährungsformen herausbilden. Der Breitkopfaal, welcher aufgrund des üppigen Maules räuberisch lebt und kleine Fische verzehrt sowie der Spitzkopfaal, der vor allem Würmer und Insektenlarven frisst.
In den Flussläufen leben sie bis zum Erreichen der Geschlechtsreife. Männchen benötigen hierfür in etwa 6- 9 Jahre, Weibchen hingegen 12- 15 Jahre. Für dieses einmalige Erlebnis der Paarung zieht sich der Aal sein silbergraues Hochzeitskleid an, stellt das Fressen ein, bildet seine Verdauungsorgane zurück und wird aufgrund seiner Färbung Blankaal genannt.
Nicht nur die Mythen rund um den Aal oder der komplexe Lebenszyklus sondern auch erstaunliche Fakten sollten dazu führen, dass er Anerkennung findet. Wer weiß schon das Aalblut giftig ist und erst durch das Erhitzen die Giftstoffe unwirksam werden. Darüber hinaus hat er einen ausgezeichneten Geruchssinn, benötigen wir in etwa 1000 Moleküle um einen Geruch wahrzunehmen, sind es beim Aal nur zwei.
Damit die Existenz der einmaligen Fischart auch für künftige Generationen gesichert ist, wird den negativen Bestandstrends europaweit entgegengewirkt. Beispielsweise besteht ein Aalfangverbot in Norwegen, welches den Fang und die Ausfuhr der Fische untersagt. Darüber hinaus wird an Lösungskonzepten für das Erreichen der ökologischen Durchgängigkeit der Flussläufe gearbeitet, damit die Querbauwerke für den Aal, aber auch andere Wanderfische passierbar werden. Nicht zuletzt beteiligt sich der Freistaat Sachsen am Erhalt dieser Art, unter anderem durch den Besatz heimischer Fließgewässer mit Aalen im Rahmen eines, durch die EU unterstützten Förderprogramms. Dieses wird jährlich von den sächsischen Anglerverbänden mit 50.000€ aus Mitgliedsbeiträgen aufgestockt.

Martin Graichen, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 04.08.2014


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