Leben im Wechsel von Licht und Schatten

Leben im Wechsel von Licht und Schatten Die Zauneidechse – ein flinker Bewohner trockener Lebensräume

Wer aufmerksam durch seinen Garten geht, sieht manchmal eine kleine braune oder grünliche Zauneidechse weghuschen. Somit machen diese Tiere ihrem lateinischen Namen Lacerta agilis – flinke Eidechse – alle Ehre. Doch vielen ist nicht bewusst, dass diese Art in Deutschland gefährdet ist.

Zauneidechsen halten sich bevorzugt an Weg- und Waldrändern, Heideflächen, Trockenrasen und sonnigen Böschungen auf, doch man trifft sie auch im heimischen Garten an. Sie benötigen lockeren Boden für die Eiablage, Sonnenplätze wie einen Baumstumpf und ein paar Sträucher oder Bäume als Deckung. Da diese Tiere wechselwarm sind, heizen sie sich morgens und am späten Nachmittag in der Sonne auf. Sind die Temperaturen für die Zauneidechsen dagegen zu hoch, suchen sie Schutz in ihren Unterschlüpfen oder im Schatten von Gebüschen. Zu ihrem Beutespektrum zählen vor allem Insekten, wie zum Beispiel Käfer, Heuschrecken und Zikaden, aber auch Regenwürmer und Nacktschnecken. Sie sind in der Regel braun mit zwei auf dem Rücken verlaufenden hellen Linien und dunklen Flecken. Zur Paarungszeit (Ende April bis Anfang Mai) sind die Unterseite und Flanken der Männchen außerdem leuchtend grün. Insgesamt treten bei Zauneidechsen sehr vielfältige Zeichnungen auf, sodass diese wie der menschliche Fingerabdruck zur individuellen Bestimmung der Tiere genutzt werden können. Vereinzelt kommen sogar rotrückige Zauneidechsen vor. Die Eiablage erfolgt in der Regel ab Ende Mai bis Ende Juli. Das Weibchen legt dabei 4 bis 15 Eier in selbstgegrabenen Höhlen ab. Diese befinden sich im lockeren Boden an offenen und sonnigen Plätzen. Interessant ist, dass das Gelege etwa genau so viel wiegt wie das Weibchen nach der Eiablage. Ab Ende Juli können dann die ersten jungen Zauneidechsen (sogenannte „Schlüpflinge“) beobachtet werden. Sie sind ca. 5 cm lang und wiegen etwa ein halbes Gramm. Ausgewachsene Tiere können eine Länge von bis zu 24 cm erreichen, doch die meisten Individuen sind kleiner. Sicher haben Sie auch schon beobachtet, dass Zauneidechsen bei Bedrohung einen Teil des Schwanzes abwerfen können, um den Feind abzulenken und somit zu flüchten. Der Schwanz bildet sich später zwar neu aus, aber ist dann etwas kürzer.
Eine verwandte Art ist die Waldeidechse. Diese ähnelt in vielen Dingen der Zauneidechse, wie beispielsweise bei der Wahl der Lebensräume oder der Zusammensetzung der Nahrung. Jedoch ist sie kleiner und das Weibchen ist lebendgebärend. Es trägt die befruchteten Eier bis zur Schlupfreife aus, das heißt, die Embryonen entwickeln sich in ihrer Eihülle im Mutterleib. Nach der Geburt sind die voll entwickelten Jungtiere sofort selbstständig.
Durch die fortschreitende Vernichtung von geeigneten Lebensräumen gehen die Bestände der Zauneidechse zurück. Einige Gründe für diesen Verlust sind Aufforstung, Einsatz von Bioziden, starke Verbuschung von Offenland und der Ausbau von Verkehrswegen. Um diese Art zu schützen, müssen ihre Lebensräume und deren Strukturen erhalten werden. In Ihrem eigenen Garten können Sie dazu beispielsweise durch die Herstellung von Versteckmöglichkeiten aus Steinhaufen oder Baumwurzeln, Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel und den Erhalt von Kahlstellen mit lockerem Erdreich beitragen. Damit stehen die Chancen gut, selbst eine Zauneidechse zu entdecken.

Melanie Hoppmann
für Naturförderungsgesellschaft Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V.

Datum: 01.09.2014


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