Igel schützen – aber richtig

Igel schützen – aber richtig Herbstzeit ist Igelzeit. Ob beim Spaziergang in Wald und Feld oder im eigenen Garten, jetzt sind die Igel wieder anzutreffen.
Es schnufft und schnauft in der Dämmerung, es raschelt durchs Laub auf der Suche nach Schnecken und Käfern – die Igel sind los. Wer mag sie nicht, diese niedlichen Gesellen mit dem wehrhaften Stachelkleid? Gerade jetzt sind diese Tiere unterwegs und eifrig dabei, sich einen ausreichenden Winterspeck anzufressen. Schnell neigt man dazu ihnen helfen zu wollen. Doch wie? Und braucht der kleine Igel überhaupt unsere Hilfe?
Igel bringen ihre Jungtiere im August oder September, also relativ spät im Jahr, zur Welt. Diese sind zunächst blind und taub und wiegen nur etwa 12 bis 25 Gramm. Nach etwa 14 Tagen öffnen sich Augen und Ohren, nach 3 Wochen brechen die ersten Milchzähne durch. Jetzt beginnen die Igelkinder ihre Welt zu erkunden und selbstständig nach Nahrung zu suchen. Unerfahren wie sie sind, haben sie dabei anfangs nicht sehr viel Erfolg und werden daher weiterhin von der Igelmutter gesäugt.
Von kindlicher Neugier getrieben, wagen sich die Igelchen oft auch tagsüber alleine aus dem Nest, während sich die Mutter in einem Zweitnest ausruht. Sollten Sie solche kleinen Stachelkugeln auf Erkundungstour entdecken, sammeln Sie diese bitte nicht vorschnell ein! Im Zweifelsfall gilt – erst beobachten, dann helfen. Geschäftig umherwuselnde Igel mit glänzenden Augen bedürfen in der Regel keiner Hilfe. Sie sind eifrig damit beschäftigt, sich das für den Winterschlaf nötige Mindestgewicht von 600 bis 700 Gramm anzufressen. Anders sieht die Sache aus, wenn Sie offenkundig verletzte oder kranke Igel oder verwaiste Igelsäuglinge finden. Apathische, abgemagert herumtorkelnde oder gar schon von Fliegen umschwärmte Tiere brauchen dringend Hilfe. Zahlreiche Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.pro-igel.de. Auskunft bezüglich hilfsbedürftiger Tiere gibt auch das Igelschutzzentrum in Leipzig oder die Ökologische Station Borna-Birkenhain.
Schwierige Zeiten für Stachelträger brechen an, wenn der Winter gar zu zeitig kommt oder das Wetter dauerhaft kühl und feucht ist. Dann wird es zunehmend schwerer, genügend Insekten, Larven, Regenwürmer und Schnecken zu finden. Jetzt können Sie helfen, indem Sie den Igeln zusätzlich Futter anbieten. An einer katzensicheren Futterstelle können Sie Katzendosenfutter vermischt mit Ballaststoffen wie Haferflocken oder Weizenkleie bereitstellen und sich am allabendlichen Zuspruch der Igel der Nachbarschaft erfreuen. Ist ersichtlich, dass die stachligen Gesellen gut zunehmen, sollte nur noch aller 2 Tage gefüttert und ab und an der Futterplatz gewechselt werden, um dennoch zur selbstständigen Futtersuche zu animieren. Bitte füttern Sie niemals Milch! Diese führt bei Igeln zu schwersten Verdauungsstörungen und Durchfällen welche nicht selten den qualvollen Tod des Tieres verursachen.
In unserer ausgeräumten Landschaft und den penibel aufgeräumten Gärten hat es der Igel schwer. Wenn Sie ihm helfen wollen, gestalten Sie Ihren Garten igelfreundlich und bieten künstliche Unterschlüpfe als Niststätten und für den Winterschlaf an. In naturnahen Gärten finden sich zahlreiche Insekten und Schnecken, welche dem Igel als Nahrung dienen – eine ganz natürliche Hilfe durch den Menschen also. Vorsicht ist im Spätsommer und Herbst auch bei der Gartenarbeit geboten - Igelnester aus Laub und anderen Pflanzenteilen werden meist unter Gebüschen, in Hecken, unter Laub- und Asthaufen aber auch unter Planen oder ähnlichem Material angelegt. In solchen Bereichen sollte man während des Spätsommers und Herbstes möglichst keine Arbeiten durchführen oder zumindest besondere Vorsicht walten lassen. Bitte achten Sie bei der Beräumung von Laubhaufen im Winter auch darauf, winterschlafende Igel nicht aufzuwecken, da dies die Tiere unnötige Energie kostet.
Sie sehen, es kann mit relativ wenig Aufwand viel getan werden, um unseren heimischen Stachelträgern Hilfestellung zu geben. Sicher ist, die Tiere werden sich im nächsten Jahr bei Ihnen revanchieren indem Sie Ihnen die Schnecken aus dem Salatbeet fernhalten.

Katharina Wollschläger, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 29.09.2014


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