Wie die Motte zum Licht …

Wie die Motte zum Licht … Wie das Licht den Tieren die Sinne verwirrt.

Wie die Motte zum Licht – jeder kennt diesen Ausspruch und weiß was er bedeutet. Und jeder weiß, dass sich Motten und allerlei andere nächtliche Insekten vom Licht wie magisch angezogen fühlen. Bis zur völligen Erschöpfung umkreisen sie immer und immer wieder Straßenlaternen oder Deckenleuchten, um dann am Morgen sterbend unter den selbigen zu liegen. Doch warum ist das so?
In grauer Vorzeit gab es keine künstlichen Lichtquellen, die Nacht war stockdunkel und nur von Mond und Sternen erhellt. Insekten orientierten sich daher am Mond, um sich im Gelände sicher zu bewegen. Da dieser sehr weit von der Erde entfernt ist, scheint er immer an einer Stelle zu stehen und eignet sich daher prima als Fixpunkt – um geradeaus zu fliegen, musste eine Motte lediglich einen gleichbleibenden Winkel zum Mond einhalten. Eine prima Erfindung, die sich bis heute bewährt hat – wären da nicht plötzlich tausende hell strahlende Monde. Straßenlaternen, Leuchtreklamen, Videowände und Flutlichter überstrahlen den Mond und verwirren den Nachtinsekten somit die Sinne. Sie werden von ihrem Fixpunkt, dem Mond, abgelenkt und beginnen sich an den heller leuchtenden Lichtquellen zu orientieren. Dabei versuchen sie, wie seit tausenden von Jahren, einen gleichbleibenden Winkel zur Lichtquelle einzuhalten. Da die Laterne jedoch viel zu nahe ist, führt das dazu, dass sie ständig um die Laterne kreisen und schließlich in das Licht hineinfliegen und verbrennen oder aber vor Erschöpfung zu Boden sinken und verenden. So kommen in einer Sommernacht an einer einzigen Straßenlaterne etwa 150 Insekten zu Tode. Rechnet man diese Zahl auf die Anzahl der Straßenlaternen in Deutschland hoch, so verenden jede Nacht über eine Milliarde Insekten an künstlichen Lichtquellen.
Doch nicht nur Insekten werden negativ beeinflusst, auch Zugvögel haben große Probleme mit der starken nächtlichen Beleuchtung, vor allem in Ballungszentren. Ihre Orientierung kann soweit gestört werden, dass sie von ihrer Zugroute abgelenkt werden, in hell erleuchtete Gebäude fliegen und dort den Tod finden. Vor allem in den Himmel strahlende Discolaser stellen für sie ein Problem dar. Verschiedene Arten von Meeresschildkröten wiederum leiden eher unter nächtens hell erleuchteten Stränden. Da sich die frisch geschlüpften Jungtiere am Mond orientieren, um das rettende Wasser zu erreichen, kommt es immer wieder vor, dass sie sich in die falsche Richtung – auf Bars und Cafés zu – bewegen und so zur leichten Beute für Raubtiere werden.
Doch Mutter Natur wäre nicht Mutter Natur, wenn sie nicht auch in diesem Problem, zumindest für einige, eine positive Variable finden würde. Manche Arten profitieren sogar vom vermehrten Lichtangebot. Verschiedene Spinnen und auch Fledermäuse machen sich die Insektenansammlungen an künstlichen Lichtquellen zu Nutze. Ein menschgemachter „Fly-In“ sozusagen. Auch manche Vogelarten in unseren Städten haben sich schon an das Überangebot von Licht angepasst. So singen Stadtamseln vielerorts früher – das viele Licht lässt den Testosteronspiegel der Männchen steigen, die Balz beginnt eher im Jahr. Auch das zierliche Rotkehlchen profitiert, wenn auch notgedrungen, von der Lichtverschmutzung. In der Partnersuche sind die kleinen Gesellen auf ihren Gesang angewiesen. Die leisen, perlenden Töne haben es allerdings schwer, sich gegen den alltäglichen Stadtlärm durchzusetzen. Somit verlegen die Rotkehlchen ihre Balz zunehmend in die ruhigeren und hell erleuchteten Nachtstunden und steigern so ihre Chancen, einen passenden Partner zu finden.

Auch für uns Menschen hat die zunehmende Erhellung der Nacht weitreichende Folgen. Sicherlich verlängert sie unseren Tag und gibt uns mehr Zeit für Privatleben und Arbeit. Doch ist dies immer positiv? Sicher ist, dass der Verlust der Nacht unsere innere Uhr beeinflusst und sich unter anderem störend auf unseren Hormonhaushalt auswirken kann. Neuere Untersuchungen vermuten sogar einen Zusammenhang der Stärke nächtlicher Kunstbeleuchtung zum Risiko verschiedener Krebserkrankungen sowie Auswirkungen auf die Entwicklung des Menschen, beispielsweise dem immer früheren Einsetzen der Pubertät. Auch die Wahrnehmung eigentlich alltäglicher Naturphänomene wie Sternschnuppen oder schlicht des Sternenhimmels wird durch Helligkeit in den dunklen Stunden des Tages erschwert oder gar verhindert, was zur Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt beiträgt. Licht ist zwar neben Wasser der wichtigste Überlebensfaktor für Tiere und Pflanzen, essentiell unter anderem für die Bildung von Stärke, Sauerstoff und verschiedenen Vitaminen, wichtig für unser Wohlbefinden und seelisches Gleichgewicht. Zuviel davon kann jedoch auch schädlich sein, nämlich dann, wenn es die Nacht zum Tage macht und damit die natürlichen Abläufe stört.
Gerade jetzt, in den dunkler werdenden Herbst- und den bald schon folgenden Wintertagen, bietet es sich an, auch die Dunkelheit einmal von ihrer guten Seite aus zu betrachten. Ein gemütlicher Abend bei heißem Tee und Kerzenschein ist doch allemal der ungemütlich hell erleuchteten Wohnung vorzuziehen, meinen Sie nicht auch?!

Katharina Wollschläger, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 27.10.2014


zurück


Am Lerchenberg • 04552 Borna • Tel 034 33 / 74 11 50 • Fax 034 33 / 74 11 80
Email

Datenschutz • Impressum © powered by Server-Team