Wintergrau

Wintergrau Das trübe Winterwetter drückt die Stimmung
„Alles ist so trist und grau“, wird sich so mancher angesichts des Wetters und der Natur in diesen Tagen sagen. Doch stimmt das wirklich? Ist so rein gar nichts los in der Natur?
Schaut man genauer hin, ist doch nicht alles so traurig und leblos, wie man flüchtigen Blickes meinen könnte. Zum einen sind da die Wintergäste am heimischen Vogelhaus, welche sich an Sonnenblumenkernen, Haferflocken, Fettglocken und allerhand weiterer Leckereien gütlich tun. Blau- und Kohlmeisen, Amseln, Finken, Schwanzmeisen, Sperlinge und viele andere geben sich hier ein Stelldichein. Manchmal mischt sich gar ein farbenfroher Buntspecht, Kleiber oder Eichelhäher in die Schar. Und oh – was ist das – selbst das Eichhörnchen lässt sich ab und an einmal sehen. Auch dieses setzt mit seinem braun-roten Fell einen willkommenen Farbtupfer in die Welt. Und auch so sieht wohl jeder gern unseren heimischen Hörnchen bei seinen behänden Klettereien und Spielen zu.
Doch nicht nur die Tiere bringen Farbe ins Spiel. Auch in der Pflanzenwelt ist mehr los, als man denkt. Sicherlich – auf die Farbenpracht des Frühjahrs und Sommers müssen wir noch etwas warten, doch das wache Auge findet auch so den einen oder anderen Farbtupfer. Immergrüne Pflanzen wie Eibe oder Stechpalme können nicht nur mit einem in dieser Zeit seltenen satten Grün auftrumpfen, sondern setzen gar farbliche Akzente aus roten Beeren in die Welt. Und nicht nur unser Auge erfreuen diese Farbspiele, auch die Tierwelt freut sich. Zahlreiche Vogelarten ergötzen sich an diesem Wintervorrat frisch vom Baum und helfen so auch der Pflanze, ihren Samen zu verbreiten. Zudem werden diesen beiden grün-roten Farbtupfern auch Heilwirkungen nachgesagt, die für uns Menschen nutzbar sind. Die Wirkstoffe der Eibe, einem Schattenbaum, dem seit jeher eine Verbindung ins Jenseits und die Unterwelt nachgesagt wird, werden erfolgreich in der Schulmedizin bei der Behandlung von Krebs eingesetzt. In der Volksheilkunde gilt sie unter anderem als abführend, herzstärkend und menstruationsfördernd. Eine gehörige Portion Vorsicht ist jedoch geboten – bis auf den roten, süßen Fruchtmantel sind alle Teile dieser Pflanze stark giftig! Die Stechpalme, beliebt als Weihnachtsschmuck, wurde früher gern als Heilmittel gegen Fieber und andere Beschwerden eingesetzt. Aufgrund der umstrittenen Giftwirkung wird sie allerdings nur noch wenig verwendet. Stattdessen erfreut sie sich, als Pflanze der Liebe, großer Beliebtheit als Bachblüte “Holly“ zur Überwindung negativer Gefühle. Grün, jedoch ohne rote Beeren, dafür aber nicht minder dekorativ zeigt sich auch der Efeu. Auch er behält in der kalten Zeit seine Blätter und seine bläulichen, kugelig zusammenstehenden Beeren sind Nahrung für viele bei uns überwinternde Vogelarten. In der Volks- und Naturheilkunde wurde und wird er gern bei Bronchitis, Rheuma und Fieber eingesetzt. Er gilt als schmerzstillend, schweißtreibend und fiebersenkend. Ein weiterer grüner Akzent in winterlichen heimischen Gärten ist das Immergrün. Im Frühling leuchten seine violetten Blüten aus den schattigen Ecken hervor, im Winter bedecken seine grünglänzenden, ledrigen Blätter den Boden. Wie auch die Eibe, wird dieses Gewächs erfolgreich in der Schulmedizin bei Krebserkrankungen eingesetzt. Zudem gilt es als antibakteriell, beruhigend, krampflösend und blutstillend.
Den Blick nach unten gerichtet kann man mancherorts gar die Winterrosetten der Bienen-Ragwurz, einer heimischen Orchideenart, entdecken. Sommers zieht sie mit einem erstaunlichen Trick alle Blicke (und männlichen Bienen) auf sich: Mit ihren Blüten imitiert sie mit Farbe, Form und Geruch die Weibchen bestimmter Wildbienenarten. Die Männchen, ganz auf Fortpflanzung aus, versuchen sich mit diesen vermeintlichen Weibchen zu paaren. Bevor ihnen ihr Irrtum auffällt, sind sie bereits über und über mit Blütenpollen beklebt. So wird dann der Pollen zum nächsten, perfekt imitierten “Weibchen“ getragen und die Blüten der Bienen-Ragwurz bestäubt. Übrigens gibt es in Österreich noch drei weitere Ragwurz-Arten - die Hummel-Ragwurz, die Spinnen-Ragwurz und die Fliegen-Ragwurz. Jetzt im Winter ist es natürlich unsinnig Bienen zu imitieren, daher zeigt diese erstaunliche Pflanze lediglich ihre blassgrünen Winterrosetten.
Kommt nun Schnee, wird vieles von diesen teilweise erst auf den zweiten Blick ersichtlichen Farbspielen überdeckt. Doch nun ließen sich allerhand Spuren in der weißen Pracht beobachten. War der Hase auf der Flucht oder hoppelte er gemütlich seines Weges? Wohin des Weges ging das Reh? Zugegeben, dieser Tage ist mit Schnee und weißer Weihnacht nicht zu rechnen, aber vielleicht lässt sich ja die ein oder andere Tierspur auch im vom Regen aufgeweichten Boden entdecken und enträtseln.
Halten Sie einmal selbst die Augen offen, wenn Sie sich nach dem Festtagsschmaus der kommenden Feiertage auf einen Spaziergang begeben. Sicher finden Sie auch selbst das ein oder andere Lebenszeichen in der nur scheinbar leblosen Natur. Auf Ihrer Entdeckungsreise wünscht Ihnen die Ökologische Station Borna-Birkenhain viel Freude und Entdeckergeist, aber auch erholsame Momente in der doch oft recht stressigen Weihnachtszeit!
In diesem Sinne – eine schöne Weihnacht und einen guten und gesunden Start ins Jahr 2015!

Katharina Wollschläger (NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.)
Fotoquellen: A. Bellmann (NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.) und Pixabay.com

Datum: 19.12.2014


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