Kraniche im Winter

Kraniche im Winter Der Weihnachtsspaziergang könnte ornithologische Überraschungen bereithalten.
Nur noch wenige Stunden bis zum Heiligen Abend und den anschließenden Festtagen. Nach üppigem Essen macht sich dann der ein oder andere auf zum Verdauungsspaziergang … Doch was ist das? Manch ornithologisch Begeisterter mag seinen Augen nicht trauen.
Lautstark ziehende Gänse und Kraniche gehören eindeutig zum Herbstfeeling, an grauen Novembertagen gehören große Schwärme von ihnen zum üblichen Bild. Doch Kraniche bei uns, Ende Dezember? Sollten sie nicht längst weiter ins warme Spanien gezogen sein?
Mit etwas Glück lassen sie sich dieser Tage noch beobachten – bis zu dreißig Kraniche äsen in der Feldflur südwestlich des Tagebaues Groitzscher Dreieck. Offenbar haben die Landwirte dort genügend Reste ihrer Maisernte hinterlassen, um einen Aufenthalt für die Tiere lukrativ erscheinen zu lassen. Zudem ist es noch relativ warm und, am allerwichtigsten, das Futter ist ohne große Mühe frei erreichbar. Solange Eis und Schnee noch fern bleiben, bleiben uns die Kraniche ziemlich wahrscheinlich noch treu. Dabei handelt es sich bei den dreißig Tieren nicht nur um Alttiere. Dem geübten Auge fällt auf, dass es sich teilweise um Familienverbände mit den Jungtieren aus diesem Jahr handelt. Für die ungestörte Nachtruhe ziehen sich die stolzen Tiere scheinbar in die Gebiete des Tagebaus Groitzscher Dreieck oder auch in das Tagebaurestloch Rusendorf zurück. Bei ihren täglichen Reisen vom Schlafplatz zum Äsungsplatz und zurück werden sie wohlwollend beobachtet, unter anderem auch von Mitgliedern der Groitzscher Fachgruppe Ornithologie.
Wussten Sie übrigens, dass der Kranich im Japanischen für Glück und Langlebigkeit steht und in der griechischen Mythologie unter anderem Hermes als Bote des Frühlings und des Lichts zugeordnet ist? Auch als Symbol für Wachsamkeit und Klugheit gelten die Tiere, deren majestätische Balztänze seit jeher die Menschen faszinieren. Seit Mitte der 50er Jahre ist der Kranich, speziell seine aus Papier gefaltete Origami-Variante, ein Symbol der Friedensbewegung und des Widerstandes gegen Atomwaffen.
Nebenbei bemerkt – nicht nur ein geübtes Auge ist vonnöten, sondern auch ein gutes Fernglas. Denn bei allen Beobachtungen muss gelten, dass ein größtmöglicher Abstand einzuhalten ist um die Tiere nicht unnötig zu beunruhigen oder gar aufzuscheuchen und so wichtige Energiereserven zu gefährden. Dabei muss man wissen, dass die Fluchtdistanz der scheuen Glücksvögel oftmals bereits bei 300 Metern beginnt.
Doch nicht nur Kraniche sind zu bewundern. Die Singschwäne aus dem nordischen Lappland sind ebenfalls schon eingetroffen. Sie halten sich zum Äsen gern auf abgeernteten Getreidefeldern oder Grünlandflächen auf.
Der Kampf gegen die alljährlichen Weihnachtspfunde kann also die eine oder andere Überraschung bereithalten. Und auch wenn Sie keine Kraniche oder Singschwäne beobachten können, tut die Bewegung an der frischen Luft allemal Körper und Seele gut.
In diesem Sinne wünscht Ihnen das Team der Naturförderungsgesellschaft Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V. eine besinnliche Weihnachtszeit, ruhige und erholsame Festtage und einen guten Start ins Jahr 2014!
Katharina Wollschläger, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.
Foto von: Harald Krug

Datum: 23.12.2013


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