Verborgene Geheimnisse der Bäume im Winter

Verborgene Geheimnisse der Bäume im Winter Die Zeit des Herbstes ist längst vorüber, die einst bunten Blätter liegen nun mit einer braunen Färbung am Boden und bedecken den Waldboden. Die Bäume sind kahl und wirken trist, doch in ihrem Inneren kann sich das ein oder andere kleine Geheimnis verbergen, welches einen Baum trotz seines tiefen Schlafs mit soviel Leben füllen kann.
Der Winter beginnt mit leichtem feinem Schnee, der die Bäume wie mit Puderzucker bestreut aussehen lässt. Sobald die Kälte knackiger wird und der Schnee es schafft, in Bergen liegen zu bleiben, wandelt sich das Bild. Nun sehen die Bäume aus als wären sie mit einer dicken Schicht aus Zuckerglasur ummantelt oder vermitteln den Anschein, in Glas gegossen zu sein. Erst jetzt sprechen wir von einem richtigen Winter. Kinder bauen Schneemänner und gehen rodeln, Kaminfeuer werden geschürt und lassen die Schornsteine der Häuser qualmen, weit und breit nur weißer Schnee und an einem schönen Wintertag zeigt sich blauer Himmel mit Sonnenschein.
Dieses romantische Bild einer Winterlandschaft kennt sicherlich jeder von uns und den ein oder anderen lädt es zu einem gemütlichen Winterspaziergang ein. Jeder Schritt knistert und kracht auf der dicken Schneeschicht und der Atem ist in großen Schwaden zu sehen. Führt der Winterspaziergang in einen Park oder Wald, wirken die Bäume eher trist und wie in einem tiefen, tiefen Schlaf. Die Bäume sind kahl und die Äste kämpfen mit der Schneelast, der ein oder andere tote Ast bricht gar durch Schnee oder Eisregen.
Doch was passiert, wenn wir genau hinsehen? Alles an und im Baum wirkt so ruhig, ist aber trotzdem so voller Leben. So dienen z.B. ausgediente Spechthöhlen den Fledermäusen als Winterquartier. Eng zusammengekuschelt überwintern sie schlafend in den wind- und frostgeschützten Höhlen und träumen vielleicht vom nächsten Frühjahr. Auch Eichhörnchen überwintern in Baumhöhlen oder bauen sich ihren Kobel in luftiger Höhe, sie rollen sich zusammen und halten Winterruhe. Ist es gar zu kalt, verbleiben sie in ihrem Nest und können dann auch mehrere Tage ohne Futter auskommen. In den Wachphasen suchen sie ihre vorher angelegten Vorratskammern auf um zu fressen, sich dann wieder in ihr Nest zu verkriechen und weiter zur ruhen. Auch verschiedene Käferlarven überwintern z.B. hinter der Rinde oder im Mulm hohler Bäume, sie schlüpfen im Frühjahr und verlassen dann den Baum. Wer tagsüber die flinken Vögel am Vogelhaus beobachtet, hat sich vielleicht auch schon die Frage gestellt: Wo schlafen sie eigentlich im Winter? Auch hier kann ein Baum als Rückzugsort dienen, sowohl Baumhöhlen als auch dicht stehende Bäume und Sträucher bieten den Vögeln einen Unterschlupf, sodass sie in ihr aufgeplustertes Federkleid gekuschelt die kalten Nächte überstehen.
Der Baum selbst wirkt ohne Blätter und Früchte zwar leblos, wer jedoch genau hinschaut sieht Verdickungen an den Zweigenden. Diese sogenannten Winterknospen beinhalten bereits alles, um bei den ersten einsetzenden warmen Sonnenstrahlen dem Frühling mit frischem Grün entgegen zu treten - alle Bestandteile für Blüten, Blätter und Triebe sind angelegt, um im Frühjahr rasch ein sattes Laubwerk aufzubauen. Die Blattorgane liegen sehr dicht aufeinander und sind von einer schützenden Hülle umgeben. Manche Knospen haben Haarausbildungen, andere wiederum bilden eine klebrige Schicht aus gummiartigem Harz, welche, ähnlich einer Regenjacke, die inneren verletzlichen Bestandteile vor der Kälte der Winters aber auch hungrigen Waldbewohner schützt.
Im Sommer ist es einfach, bei einem Spaziergang den Baum anhand der Blätter zu bestimmen, doch auch im Winter ist dies möglich. In dieser Zeit kann eine Bestimmung z.B. anhand der Knospen erfolgen. So unterscheiden sich die roten Knospen des Spitzahorns deutlich von den grünen des Bergahorns. Die Blütenknospen der Rotbuche sind spindelförmig, schmal und spitz und zeigen eine hellbraune Färbung. Die Gemeine Esche wiederum hat kugel- bzw. eiförmig, spitz zulaufende Knospen, welche bis zu 5 mm dick sein können und auffällig schwarz gefärbt sind. So gibt es für jede Art auch eine in ihrer Beschaffenheit einzigartige Knospe, welche - so unscheinbar sie auch aussieht - die Anlagen für ein voll entwickeltes Blatt enthält.
Wenn Sie den nächsten Spaziergang unternehmen, sehen Sie sich die Bäume einmal genau an, die Schönheit und Verschiedenheit des Astwerks, die unterschiedliche Rinde, Spechthöhlen oder Astabbrüche, verlassene Vogelnester und die Knospen. Das ein oder andere Bild gibt der Baum nur im Winter preis, da es bei dichtem Blattwerk im Sommer teilweise verborgen bleibt. Somit kann jeder Baum im Winter ein kleines Geheimnis in sich tragen, sei es die überwinternde Fledermaus oder der aufgeplusterte Vogel in einer Baumhöhle.
Welches Geheimnis trägt wohl der Baum vor Ihrem Fenster in sich?
Artikel von: Christiane Kups, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.
Foto: NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 20.01.2014


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