Wer kommt denn da mit weiten Sprüngen?

Wer kommt denn da mit weiten Sprüngen? Milde Temperaturen sorgen für zeitige Frühlingsgefühle in der Tierwelt
Die große Kälte des Winters hat bis jetzt noch nicht viel von sich sehen lassen. Auch weiterhin bleibt es für diese Jahreszeit eindeutig zu mild. Das hat zur Folge, dass sich die Tierwelt schon auf den Frühling einstellt. Viele Zugvögel kehren vorzeitig aus dem Süden zurück, die Insekten freuen sich über die Plusgrade und die Amphibien erwachen aus ihrer Winterruhe. Darunter zählt auch der Springfrosch (Rana dalmatina).
Amphibien gehören zu den wechselwarmen Tieren, das heißt ihre Körpertemperatur ist von der Umgebungstemperatur abhängig. In den kalten Wintermonaten können sie aus diesem Grund ihre Aktivitätstemperatur nicht erreichen - ihnen bleibt nur der Rückzug. Sie verfallen in eine Winterstarre und überwintern überall dort, wo es frostgeschützt ist - im Wurzelbereich von Bäumen, unter totem Holz, in feuchten Erdlöchern oder eingegraben in den Bodenschlamm von Gewässern. Der Springfrosch (Rana dalmatina) sucht sich seinen Überwinterungsplatz ab Anfang Oktober und bevorzugt dabei Moospolster, Steine, Blätterhaufen, Erdschollen oder gräbt sich an Land in frostfreie Verstecke im Boden ein. Sobald die Temperaturen etwas wärmer werden, erwacht er als erste Froschlurchart aus seiner Winterstarre und zählt damit zu den "Frühlaichern". Auf dem Weg zu seinem Laichgewässer kommt das geburtsorttreue Tier nur langsam vorwärts, denn die weiterhin vorherrschenden niedrigen Temperaturen zwingen ihn zu mehreren Ruhepausen. Dabei wird er oft von den später aufbrechenden Grasfröschen (Rana temporaria) überrundet.
Die Springfroschmännchen erreichen als erste die Laichgewässer, da sie meist in größerer Nähe zum Laichplatz überwintern. Dort warten sie auf die später eintreffenden Weibchen, welche meist längere Strecken zurücklegen müssen. Im Laichgewässer angekommen balgen sich die Männchen heftig um die zahlenmäßig unterlegenen Weibchen. Bei den Versuchen eine geeignete Partnerin zu finden, kommt es zu den musikalischen Konzerten der Springfroschmännchen. Die Paarungszeit findet im Allgemeinen von Februar bis April statt, wobei die Laichzeit selbst kaum zwei Wochen dauert. Die Weibchen bleiben zum einmaligen Ablaichen nur eine Nacht am Laichgewässer und streifen ihre kugeligen Laichballen mit mehreren Hundert bis Tausend Eiern an halmartigen Strukturen unter Wasser ab. Der Durchmesser eines einzelnen Springfroscheis, ohne Gallerthülle, beträgt etwa ein bis zwei Millimeter. Ab dem Zeitpunkt der Eiablagebeginnt ein neuer Kreislauf des Lebens! Die heranwachsenden Kaulquappen schlüpfen nach ungefähr zwei bis vier Wochen und gehen im Hochsommer als Jungfrösche das erste Mal an Land. Dort ernähren sie sich von Insekten und anderen Kleintieren, wie Schnecken oder Würmern, welche sie im Pflanzendickicht am Boden erbeuten. Nach ungefähr zwei bis drei Jahren erreichen sie die Geschlechtsreife.
Der Springfrosch ist eine wärmeliebende Art und bevorzugt als Hauptlebensraum trockenwarme Laubwälder, insbesondere Auwälder mit angrenzenden Feuchtwiesen. Er durchstreift, oft weit von Gewässern entfernt, sowohl tag- als auch nachtaktiv seinen Landlebensraum. Bei Bedrohungen durch Fressfeinde (vor allem Vögel) macht er seinem Namen alle Ehre. Durch außerordentlich weite Sprünge, bis zu zwei Metern, entzieht er sich blitzschnell der Gefahr. Als optimale Laichgewässer dienen ihm sonnenexponierte, vegetationsreiche und fischarme Stillgewässer. Der Habitus eines Springfrosches zeichnet sich durch einen gelbbraun bis rötlichbraun gefärbten Rücken und einer eher weißlichen Bauchunterseite aus. Zudem überzeugt er einerseits durch seine auffällig langen Hinterbeine und anderseits durch sein charakteristisch großes, braunfroschtypisches Trommelfell hinter dem Auge. Die ausgewachsenen Frösche erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von sechs bis sieben Zentimetern. Große Weibchen werden mitunter bis neun Zentimeter lang. Die männlichen Springfrösche besitzen keine Schallblase, geben aber dennoch leise Rufe ab. Die Lunge dient ihnen dabei als Verstärker. Verwechslungen können durchaus mit dem Grasfrosch (Rana temporaria) entstehen. Im Herbst wandern die Springfrösche dann wieder in die Nähe ihrer Laichgewässer zurück, um sich in ihr Überwinterungsquartier zurückzuziehen. Nach ihrer Winterruhe beginnt erneut der Zug zu den Laichplätzen und der Kreislauf beginnt von vorn. .
Geben Sie also Obacht, wer Ihnen auch schon im Februar auf den Wald- und Wiesenwegen entgegenspringt. Es könnte der Springfrosch sein!

Franziska Rudolph für NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.
Fotos: Harald Krug

Datum: 17.02.2014


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