Die Drachen sind mitten unter uns

Die Drachen sind mitten unter uns Der Frühling kommt mit großen Schritten und mit ihm heimliche Fabelwesen, die so fantastisch gar nicht sind.
Es mag unglaublich anmuten – manch einer wird denken „Wir sind doch nicht in Mittelerde!?“ doch glauben Sie daran: auch mitten unter uns sind sie zuhause - heimliche Wesen, zwar nicht dem Reich der Fantasie entsprungen, jedoch nicht minder interessant. Die Rede ist von Kammmolchen.
Der Kammmolch, auch Wasserdrache genannt, ist unsere größte heimische Molchart und kann eine Länge von immerhin bis zu 18 cm erreichen. Oberseits ist er dunkelbraun bis schwarz gefärbt, seine Unterseite leuchtet in Gelb- und Orangetönen mit schwarzen Flecken. Während der Paarungszeit bilden die Männchen einen hohen gezackten Rückenkamm aus, welcher das ohnehin schon recht große Tier noch imposanter erscheinen lässt und ihm seinen Beinamen eingebracht hat. Charakteristisch für die Männchen ist zudem der sogenannte Milchstreifen – ein perlmutt-silbriges Band an den Schwanzseiten.
Feuer speien kann der Kammmolch nicht und auch sonst lebt er eher heimlich. Er bevorzugt dauerhaft wasserführende, besonnte Weiher und Teiche mit krautreicher Unterwasservegetation. Diese ist sehr wichtig für das Kammmolchweibchen: es legt seine mehrere hundert Eier mit Hilfe der Hinterbeine einzeln in umgefaltete Blätter von Wasserpflanzen. Doch geeignete Lebensräume werden immer seltener. Die zunehmende Zerstörung und Beeinträchtigung von Kleingewässern durch Beseitigung, Ablagerung von Müll sowie Eintrag von Düngemitteln und anderen Umweltgiften macht unseren heimischen Drachen das Leben schwer. Ein enormes Problem ist außerdem der Fischbesatz in Laichgewässern. Da Kammmolchlarven leichte Beute für Fische sind, kann eine ganze Molchpopulation innerhalb weniger Jahre komplett ausgelöscht werden. Nicht zu unterschätzen ist zudem der Straßenverkehr. Auf ihren jährlichen Wanderungen vom Winterquartier zum Laichgewässer und zurück sind, wie bei eigentlich allen Amphibien, hohe Verluste zu verzeichnen.
Diese Wanderungen beginnen bei entsprechenden Temperaturen etwa im März, wobei sich die Paarungszeit bis in den Mai hinzieht. Die Larven entwickeln sich in etwa zwei bis vier Monaten zum fertigen Tier und können dann das Gewässer verlassen, um ihre Landlebensräume aufzusuchen, welche sich meist recht nah am Gewässer aber auch bis zu einem Kilometer entfernt befinden können. Bevorzugt werden hierbei mehr oder weniger feuchte, deckungsreiche Gebiete, die auch die Möglichkeit bieten, bei allzu trockener Witterung und zur Nahrungssuche ein Gewässer aufzusuchen.
Bis die Jungtiere geschlechtsreif sind, dauert es nun zwei bis drei Jahre, in denen sich die Minidrachen die Zeit mit Fressen, Wachsen und Winterschlafen vertreiben. Tagsüber suchen sie Verstecke unter Steinen und Gehölzen auf, nachts befinden sie sich auf der Jagd nach Würmern, Schnecken und Gliederfüßern. Begeben sie sich zur Nahrungssuche ins Wasser, werden Bachflohkrebse, Wasserasseln und diverse Larven von Froschlurchen aber auch Molchen gern erbeutet. Neigt sich das Jahr dem Ende zu, muss selbst ein Drache sich auf den Winter vorbereiten. Dazu verkriecht er sich in frostfreie Hohlräume wie zugängliche Keller und Stollen, unter Steinhaufen, Wurzelhohlräume oder Baumstubben und tut das, was sich angesichts des Winters wohl so manch ein Mensch wünscht – von Schnee und Eis unbehelligt ganz einfach auf den Frühling warten.
Aufgrund seiner Ansprüche an unterwasserpflanzenreiche, saubere Laichgewässer und strukturreiche, vernetzte Lebensräume sowie der relativ langen Dauer bis zur Geschlechtsreife wird der Kammmolch immer seltener. Daher ist er europaweit streng geschützt und nach der Roten Liste Sachsen als stark gefährdet eingestuft. Ein wirklicher Grund zur Freude also, wenn sich in Ihrem Gartenteich ein heimischer Wasserdrache seine Kinderstube einrichten sollte. Heißen Sie ihn willkommen, indem Sie ihm einen naturnahen, reich strukturierten und vor allem fischfreien Teich anbieten.
Katharina Wollschläger, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.
Foto: NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 17.03.2014


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