Alle Jahre wieder …

Alle Jahre wieder … Der Frühling ist längst schon da. Allerorten tschilpt und piept, tschiept und singt es, und einige Vogeleltern haben den ersten Schwung Nachwuchs schon aus dem Haus - oder besser aus dem Nest. Der Ernst des Lebens geht für die Kleinen los, und der ist nicht immer nur eitel Sonnenschein… Kann und soll der Mensch ihnen helfen?
Oft entdeckt der Mensch einen dieser vermeintlich hilflosen und verlassenen Jungvögel und möchte helfen. Doch bitte bedenken Sie – erst sorgfältig beobachten bevor Sie eingreifen! Denn in den meisten Fällen handelt es sich keineswegs um verwaiste Vogelkinder, sondern um eine völlig normale, wenn auch gefährliche, Phase der Jungvögel auf ihrem Weg zum Erwachsensein.
Sind die Jungvögel ihrem Babyflaum entwachsen, werden sie von den Eltern ermuntert das Nest zu verlassen und ihre Fähigkeiten zu erproben. Ab diesem Zeitpunkt leben die Jungspunde gefährlich – fast schon flugfähig, fast schon in der Lage sich selbst zu ernähren. Aber eben nur fast. Sie sitzen am Boden und in Büschen und Bäumen, versuchen sich mit der Welt anzufreunden und piepsen herzerweichend. Auch wenn es zunächst nicht so scheint, werden sie immer noch aufopferungsvoll von ihren Eltern versorgt und gefüttert, das geht jedoch nicht, ohne sie zeitweise allein zu lassen. Oft werden solche Jungvögel dann irrtümlich mitgenommen um ihnen zu helfen, obwohl das nicht notwendig ist. Macht ein solches Jungtier einen munteren Eindruck und ist nicht verletzt, gibt es keinen Anlass zur Sorge. Befinden sich die lautstark nach den Eltern rufenden Jungvögel an einem für sie gefährlichen Ort, beispielsweise direkt an der Straße oder eindeutig zu nah an der Katze des Hauses, kann der Mensch helfen, indem er sie an einen sichereren Ort in der Nähe setzt. Letztendlich entscheidet der Jungspund jedoch selbst, ob er dort bleibt oder nicht.
Finden Sie einen noch nackten oder erst flaumigen Jungvogel, liegt die Sache anders. Es handelt sich um einen Nestling, welcher außerhalb des Nestes völlig hilflos ist. Wahrscheinlich ist der vorwitzige Kerl aus seinem Nest gefallen, er braucht aber unbedingt die Wärme seiner Geschwister und die Eltern die Futter besorgen. Ist das Nest zu finden und unversehrt, kann der kleine Kerl einfach wieder hineingesetzt werden. Nur wenn das Nest absolut nicht gefunden werden kann oder zerstört ist, sollte er mitgenommen werden. Allerdings ist die Aufzucht von Jungvögeln eine sehr zeitintensive Angelegenheit. Vogeleltern haben von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nur eines zu tun – die Schreihälse im Nest mit Futter zu versorgen. Außerdem muss man wissen, dass nicht immer alle Handaufzuchten ausgewildert werden können.
Ist die Hand des Menschen einmal nötig um helfend einzugreifen, müssen Sie sich nicht scheuen den Jungvogel notfalls in die Hand zu nehmen. Entgegen der landläufigen Meinung nehmen die Eltern ihren Nachwuchs wieder an.
Küken von Enten oder Hühnervögeln sind sogenannte Nestflüchter. Sie sind bereits befiedert und können nach kurzer Zeit das Nest verlassen, selbstständig laufen beziehungsweise schwimmen und Nahrung aufnehmen. Auch sie können in Not geraten und menschlicher Hilfe bedürfen, jedoch ist auch hier die Aufzucht schwierig. Es gilt: genauestens beobachten, ob die Mutter sich in der Nähe aufhält bzw. zurückkehrt bevor man eingreift. Meist gilt dabei der zuständige Jäger als Ansprechpartner, da es sich zum Beispiel bei Wildenten um Wild im Sinne des Bundesjagdgesetzes handelt.
Wichtig zu wissen ist also: die meisten Jungvögel sehen zwar hilflos aus, sind es jedoch nicht. Helfen sollten Sie nur, wenn Sie sich ganz sicher sind, dass dies notwendig ist. Als erste Regel gilt: über einen längeren Zeitraum, mindestens eine Stunde, beobachten, ob die Altvögel in der Nähe sind und ihren Nachwuchs versorgen. Erst wenn Sie sich ganz sicher sind, dass dies nicht der Fall ist sollten Sie eingreifen.
Katharina Wollschläger, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.
Foto: Michael Rataiczak, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 12.05.2014


zurück


Am Lerchenberg • 04552 Borna • Tel 034 33 / 74 11 50 • Fax 034 33 / 74 11 80
Email

Datenschutz • Impressum © powered by Server-Team