Schrille Rufe am Himmel

Schrille Rufe am Himmel Pünktlich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen kommen auch die Mauersegler nach Deutschland

Jedes Jahr um dieselbe Zeit ist ein typisches schrilles Rufen, vor allem in den Morgen- und Abendstunden, am Himmel zu hören. Irgendwie stimmt das auf den Sommeranfang ein. Doch zu wem gehören diese Laute?

Der Mauersegler kehrt im Frühjahr als Letzter aus Afrika in den Siedlungsbereich zurück und fliegt auch als Erster wieder fort. Seine Anwesenheit wird meist erst durch das typische schrille Rufen am Himmel bemerkt, da er oft im Flug mit den Schwalben verwechselt wird. Bei genauerer Betrachtung ist seine Gestalt jedoch unverwechselbar und die perfekte Anpassung an ein Leben als Dauerflieger. Der Mauersegler besitzt lange, sichelförmige Flügel und einen kurzen, gegabelten Schwanz. Mit einer Flügelspannweite von über 40 cm ist er erheblich größer als unsere heimischen Schwalben und erreicht Fluggeschwindigkeiten von bis zu 280 Km/h. Bis auf eine grauweiße Kehle ist das gesamte Gefieder bräunlich bis schwarz. Jungtiere sind an einer weiß geschuppten Stirn und dem größeren Kehlfleck zu erkennen. Die kurzen Klammerfüße, für das Klettern an senkrechten rauen Wänden bestens geeignet, sind nicht für ein Leben am Boden angepasst. Daher ist sein Lebensraum nahezu ausschließlich die Luft. Sie fressen, spielen, paaren sich, betreiben ihre Körperpflege und schlafen sogar in der Luft. Nach der Rückkehr aus ihren Winterquartieren müssen sie innerhalb von nur vier Monaten die Balz, die Paarung, den Nestbau, die Brut- und die Aufzuchtphase abschließen, da sie Anfang August bereits den Rückflug nach Afrika antreten.

Mauersegler sind extrem nistplatztreu, sodass einzelne Paare über Jahre hinweg zusammen am selben Brutplatz brüten können. Ursprünglich sind Mauersegler Felsenbrüter. Heutzutage sind sie jedoch kaum noch außerhalb von Siedlungsbereichen anzutreffen. Sie nisten meist in Gebäuden, wo sie Löcher unter den Dachziegeln, Dachrinnen, Regenwasserstutzen oder Jalousiekästen nutzen, um in den dahinter liegenden ebenen Hohlräumen ihre Nester zu bauen. Diese bestehen aus in der Luft zusammengesammelten Halmen, Blättern, Federn, Textil- oder Papierfetzten, also allem was aerodynamisch wenig Widerstand leistet. Die zentrale Vertiefung des Nestes wird mit klebrigem Speichel überzogen. Das so „befestigte“ Nest wird über mehrere Brutperioden verwendet und alljährlich nur ergänzt und neu eingespeichelt. Die Jahresbrut besteht aus 2-3 Eiern, welche die Elterntiere gemeinsam ausbrüten und anschließend die Jungtiere versorgen. Die Fütterung findet bis tief in die Dämmerung hinein statt. Die Nacht verbringen brütende Alttiere in ihren Nestern. Die Nichtbrüter versammeln sich und fliegen rufend immer höher und höher in den Himmel um dort zu schlafen. Diese Rufe kennen wir als die typischen, schrillen Mauerseglerschreie. Ende Juli verlassen die Jungtiere, meist nach Einbruch der Dunkelheit, das Nest und kehren nicht wieder zurück. Ohne vorherige Flugversuche sind sie schon perfekte Flieger und stürzen sich wagemutig aus ihrem Nest. Leider kommt es immer wieder vor, dass noch flugunfähige Mauersegler aus dem Nest fallen. Ein häufiger Grund sind die hohen Temperaturen im Sommer. Die Nestlinge versuchen sich am Nestausgang Kühlung zu verschaffen und stürzen heraus. Das ist für den Jungvogel eine große Katastrophe! Aus eigener Kraft schafft er es nicht zurück ins Nest und wird außerhalb auch nicht mehr von den Elterntieren gefüttert. Auch bereits flugfähige Jungtiere oder Altvögel können verunglücken und werden dann am Boden gefunden. In jedem Fall wird sich kein Mauersegler freiwillig am Boden aufhalten. Ohne die Hilfe aufmerksamer Menschen sind sie zum Tode verurteilt! Ein Annehmen des Vogels und die Abgabe in erfahrene Hände sind die einzige Chance für das hilflose Tier. Auf keinen Fall sollte ein Mauersegler in die Luft geworfen werden um Starthilfe zu geben!

Das Leben im Siedlungsraum birgt jedoch noch mehr Gefahren - durch die starke Bindung an Gebäude als Brutstätten kommt es leider immer häufiger vor, dass sie nach der Rückkehr aus ihrem Überwinterungsgebiet ihre Niststätten nicht mehr vorfinden, weil diese bei Bau- oder Renovierungsarbeiten beseitigt wurden. Insgesamt werden so die möglichen Brutplätze immer weniger, da die moderne Bauweise kaum Platz für Nischen und Spalten lässt. Der bedrohliche Nistplatzverlust sollte durch das Anbringen von Nisthilfen ausgeglichen werden. Solche speziellen Mauerseglerkästen können beim Bau oder Renovierung in die Architektur integriert werden und sind dann kaum noch sichtbar.
Oder was halten sie von einem Nistkasten in ihrem Fenster oder auf ihrem Balkon?

Franziska Rudolph, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.
Foto: Grit Wolfram für NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 16.06.2014


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