Die Eulen sind los

Die Eulen sind los Schaurige Rufe in der Nacht – nicht finstere Gesellen treiben ihr Unwesen. Die Waldohreulen sind aktiv!
Sie sind nachtaktiv, verständigen sich über schaurige Rufe und lehren so manchen das Fürchten – die Waldohreulen. Bei genauerer Betrachtung sind sie jedoch weder schaurig noch zum Fürchten, sondern schöne und faszinierende Lebewesen der Nacht.
Die Waldohreule ist ein etwa 36 Zentimeter großes Tier mit einer Flügelspannweite von ca. 95 Zentimetern und einem Gewicht von 250 bis 370 Gramm. Ihr Erscheinungsbild ist schlanker als das des Waldkauzes. Durch ihre hell- bis ockerbraune Grundfarbe und die schwarzbraune, gestrichelte und gefleckte Musterung sind ruhende Tiere im Geäst kaum zu entdecken. Um möglichst unsichtbar zu erscheinen, machen sie zusätzlich den Körper lang und drücken sich an Äste und Stämme. Äußerlich sind die Geschlechter nicht zu unterscheiden. Auffallend an der Waldohreule sind ihre großen Federohren, ähnlich denen des Uhus. Diese Federohren haben jedoch nichts mit der Hörleistung zu tun, sondern dienen der Kommunikation der Tiere untereinander. Wunderschön sind zudem die leuchtend orangegelben Augen, mit denen sie in der Dämmerung und nachts gut sehen können. Wie alle Eulen kann die Waldohreule sehr gut hören. Dabei hilft ihr auch ihr gelblich-weißer Gesichtsschleier, welcher aufgrund der spitzwinkligen Stirnbefiederung zwischen den Augen V-förmig unterbrochen scheint.
Waldohreulen brüten oft in Krähen- und Elsternestern auf Bäumen, in Feldgehölzen und manchmal in Hecken. In der Regel werden ab März 4 bis 8 Eier im Abstand von ein bis zwei Tagen gelegt. Nach ungefähr 26 Tagen Brutdauer schlüpft das erste Junge, gewandet in feine weiße Daunen. Etwa 20 Tage bleiben die Jungtiere im Nest. Nach dieser Zeit halten sich Waldohreulenjunge oft auf Ästen in der Nähe des Nestes auf, werden jedoch von den Alttieren versorgt. Nachts machen sie sich häufig durch weithin hörbare, fiepende Laute bemerkbar und betteln nach Futter. Nach und nach können sie immer besser fliegen und werden geschickter im Beutefang, bis sie auf die Unterstützung durch die Elterntiere nicht mehr angewiesen sind.
Ein Waldohreulenspeiseplan ist recht eintönig - meist ist die Feldmaus das Futter der Wahl. Seltener gehören Vögel bis Amselgröße und weitere Kleinnager dazu. Die unverdaulichen Nahrungsbestandteile wie Fell und Knochen werden als Gewölle wieder ausgeschieden.
Das Leben ist für die relativ kleine Waldohreule ganz schön gefährlich. Zu ihren Feinden gehören vor allem Marder, welche den jungen, noch flugunfähigen Küken gefährlich werden können. Zudem ergänzen Uhus und große Greifvogelarten wie der Mäusebussard gern ihren Speiseplan durch die Waldohreule. Neben den jungen Küken sind vor allem die in den offenen Horsten brütenden Weibchen gefährdet. Solchen Gefahren sind die Jäger der Nacht jedoch nicht schutzlos ausgeliefert. Oftmals reicht ihre eingangs beschriebene Tarnung völlig aus um von Feinden übersehen zu werden. Ist dies nicht der Fall, werden die Flügel zu einem Flügelrad aufgefächert und damit das Erscheinungsbild optisch vergrößert. Zusätzlich wird gefaucht was das Zeug hält und mit dem Schnabel geklappert. Elterntiere täuschen Verletzungen vor, um potentielle Feinde von ihren Jungtieren und Nestern wegzulocken. Dieses Verhalten nennt man Verleiten.
Hören Sie des Nachts die fiependen Rufe der jungen Waldohreulen oder die relativ leisen Töne der erwachsenen Tiere, lohnt sich ein genauerer Blick in das Geäst der Umgebung. Vielleicht können sie eine Waldohreulenfamilie entdecken.

Katharina Wollschläger, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.
Foto: Katharina Wollschläger, NFG Ökologische Station Borna Birkenhain e.V.

Datum: 07.07.2014


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