Martin Graichen leitet nun die Öko-Station Borna-Birkenhain

Martin Graichen leitet nun die Öko-Station Borna-Birkenhain Presse Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2016
http://www.lvz.de/Region/Borna/Martin-Graichen-ist-neuer-Geschaeftsfuehrer-der-Oekologischen-Station-Borna-Birkenhain

Martin Graichen leitet nun
die Öko-Station Borna-Birkenhain
Umwelt- und Naturschutz sind für den 29-Jährigen Geschäftsführer Beruf und Hobby
VON JULIA TONNE

Borna. Der Abriss des Freibads, der Rückbau von Wohnblöcken in Gnandorf und Bergbaufolgelandschaften: Martin Graichen beschäftigen derzeit einige Themen. Seit 1. September ist der 29-Jährige neuer Geschäftsführer der Ökologischen Station Borna-Birkenhain. Und die will er in den kommenden Monaten und Jahren weiter stärken. Bereits während seines Studiums Naturschutz und Landschaftsplanung hat Graichen ehrenamtlich in der Ökostation gearbeitet, bekam gleich nach der Ausbildung eine feste Anstellung dort und bewarb sich nach gerade einmal drei Jahren erfolgreich auf den Posten des Geschäftsführers.
In gewisser Weise scheint sein Weg vorbestimmt gewesen zu sein. Schon als Kind war er täglich in der Natur unterwegs, angelte und versuchte, alle Zusammenhänge zu verstehen. Großes Vorbild war Heinz Sielmann, deutscher Tierfilmer, Kameramann, Produzent und Publizist. „Seine Bücher habe ich nicht gelesen, die habe ich verschlungen“, erinnert sich der 29-Jährige. Dennoch machte er als junger Mann zunächst Zivildienst beim DRK in Zwenkau, interessierte sich auch für die soziale Schiene, begann dann aber doch das Naturschutz-Studium in Bernburg. „Das hat mich letztlich doch mehr gereizt“, begründet er. Schließlich gehe es bei dem Thema um den Schutz der Kulturlandschaft. „Wir wollen das bewahren, was wir geschaffen haben“, sagt er.
Hohe Ziele hat er sich nun als neuer Leiter gesteckt. Und die reichen von der Gewinnung weiterer Auftraggeber über die Stärkung der wirtschaftlichen Situation der Ökostation bis hin zum Ausbau der Umweltbildung. Dabei kann sich die Ökostation nicht über mangelnde Aufgaben beschweren. Ob Kommunen, Kirchgemeinden oder das Bergbauunternehmen Mibrag: Sie alle fragen bei Graichen und den derzeit 13 Angestellten regelmäßig nach, wenn es um den Umweltschutz geht. „Der Stellenwert ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, die Bedeutung von Naturschutz hat zugenommen“, erklärt Graichen. So würden Kommunen bei Sanierungen die Ökostation zur Baubegleitung ins Boot holen, aber auch Kirchgemeinden greifen auf die Erfahrung und das Wissen der Mitarbeiter zurück, wenn es um Instandsetzungen von Gotteshäusern geht. Gerade habe die Ökostation die Sanierung der Geithainer Kirche begleitet.
Auch in Borna selbst haben die Umweltschützer zu tun. So haben sie kürzlich in Gnandorf ein 133 Meter langes Gebäude, das abgerissen werden soll, aber längst Domizil zahlreicher Fledermäuse ist, mit so genannten Staubfangnetzen ausgestattet. Sie ermöglichen es den Fledermäusen zwar, rauszufliegen, aber rein kommen sie nicht mehr. „Sie finden aber in anderen Häusern neuen Unterschlupf“, macht Graichen deutlich. Was ihm zudem auf dem Herzen liegt, ist der geplante Abriss des Freibads. „Dort haben sich in den vergangenen Jahren garantiert zahlreiche Arten angesiedelt“, ist er überzeugt. Deshalb befürwortet er es, wenn Naturschutzverbände in die Planungen zum Abriss mit einbezogen werden. Er geht davon aus, dass sowohl Fledermäuse als auch der Hausrotschwanz das Freibad zu ihrem Zuhause erklärt haben. Zauneidechsen und Amphibien dürften dort mittlerweile auch zu finden sein. Er hofft, zu dem Thema mit der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen.
Auch privat spielt für ihn Naturschutz eine herausragende Rolle. Kürzlich hat Graichen das alte Gemeindehaus in Wyhra gekauft. Das Gebäude will er nicht nur als Wohnhaus nutzen, sondern in Zukunft auch für touristische Zwecke. Darüber hinaus soll eine zum Ensemble gehörende Scheune zum Heuhotel werden, eine andere zum Domizil für gebäudebewohnende Tierarten wie Fledermäuse. Dann hätte Graichen in gewisser Weise seine Ökostation auch zu Hause.

Foto: Julia Tonne

Bornas Öko-Station in grüner Hand
VON OLAF KRENZ

Die Alltagsarbeit der Ökologischen Station Borna-Birkenhain liegt wieder in echten grünen Händen. Nachdem der vor einem Monat verstorbene Mit-Begründer Harald Krug, dessen Herz bis zur gesundheitlichen Aufopferung für den Natur- und Artenschutz schlug, 2014 vom Chefposten zurückgetreten war, hatten mit Jurist Alexander Wagner sowie Dozentin und Lokalpolitikerin Ilse Lauter doch eher Manager die Führung innegehabt. Jetzt scheint mit dem neuen Geschäftsführer Martin Graichen erneut ein Mann an die Spitze gerückt zu sein, der für die inhaltliche Arbeit der Öko-Station besser geschaffen ist. Begeisterung für die Natur schon als Kind, Vorbild Heinz Sielmann und das Naturschutz-Studium sind die Anhaltspunkte dafür.
Für Außenstehende wird sich erst zeigen, ob Graichen auch so ein streitbarer Geist für Flora und Fauna ist, wie es der Vor-Vorgänger und ausgewiesene Vogelexperte Krug war. Der hat sich damit selbstverständlich nicht nur Freunde gemacht. Anecken dürfte der junge Chef damit heute auch noch. Doch ein Stück weit hat sich inzwischen der gesellschaftliche Konsens, zumindest der verordnete, hin zum grünen Blickwinkel verschoben.
Wichtig wird sein, wie Graichen den Öko-Betrieb leitet und zusammenhält. Als Angestellter in den letzten drei Jahren und zuvor als ehrenamtlicher Mitstreiter sowie über seinen Vater Jürgen, der im Trägerverein Naturförderungsgesellschaft Ökologischen Station Borna-Birkenhain Vorstandsmitglied ist und einige Jahre Vorsitzender war, werden ihm die zeitweisen Querelen zwischen Belegschaft, Geschäftsführung und Vereinsvorstand, gar mit personellen Konsequenzen, nicht verborgen geblieben sein. So muss er für ruhiges Fahrwasser und Zusammenwirken sorgen.

Datum: 2016-11-15


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