Zauneidechse genießt hohen Schutzstatus

„Zauneidechse genießt hohen Schutzstatus“
Chef der Öko-Station weist Naturschutz-Gegner zurecht
VON OLAF KRENZ, Leipziger Volkszeitung vom 23.01.2017

Groitzsch/Borna. Die Kritik an der Umsiedlung von Zauneidechsen für einen Radwegbau von Groitzsch nach Pödelwitz hat den Geschäftsführer der Ökologische Station Borna-Birkenhain auf den Plan gerufen. „Die tägliche Auseinandersetzung mit Gegnern des Natur- und Artenschutzes gehört zu meinem Tagesgeschäft“, teilt Martin Graichen mit, „dennoch bin ich stets aufs Neue entsetzt, welche Einstellungen Kommunalpolitiker und andere Volksvertreter zum Naturschutz haben.“ Groitzscher Stadträte hatten ihr Unverständnis geäußert, dass die Tiere an der Trasse eingesammelt und in neu geschaffene Lebenbereiche (Habitate) gebracht werden müssen. „Für mich ist das Verschwendung von Steuermitteln“, hieß es etwa (die LVZ berichtete).
„Als Laie lässt sich natürlich vorschnell kritisch anbringen, dass bestimmte Arten keinerlei Nutzen für die Menschheit haben und deren Aussterben ohne nennenswerte Folgen vonstattengehen würde“, entgegnet Graichen. „Beschäftigt man sich jedoch mit den komplexen ökologischen Zusammenhängen und erfasst diese, bemerkt man schnell, dass alle Arten eine tragende Rolle in diesem verflochtenen System haben.“ Fledermäuse etwa machen für viele nur Dreck im und am Gebäude. Doch ohne diese Artengruppe würde die Zahl von Mücken und sogenannten Schadinsekten enorm ansteigen, und „abendliche Aufenthalte im Freien wären für jedermann lästig“.
Die Zauneidechse (Lacerta agilis) genießt einen hohen Schutzstatus, erklärt Graichen. Der Grund sei, dass die Tiere im Verlauf ihres Lebens nur einen recht kleinen Aktionsradius von circa 100 Meter haben und das Bundesnaturschutzgesetz auf den Erhalt der lokalen Population abzielt. „Damit wäre das Argument ,Es gibt doch überall Zauneidechsen‘ für jegliche Diskussion unbrauchbar.“ Zudem haben sie viele Fraßfeinde, wie wildernde Hauskatzen und Greifvögel. Mit dem Bau des Radweges und der Erschließung ähnlicher Bereiche gehen optimale Habitatstrukturen verloren, die nahezu frei von menschlichen Einflüssen waren und zum Erhalt dieser Art zwingend erforderlich sind, erklärt der Chef der Öko-Station. Und liegt, zumindest über einen längeren Zeitraum gesehen, daneben: Die Trasse liegt auf einer alten Bahnstrecke, die 1999 stillgelegt und deren Gleise 2010 entfernt worden waren; dieser Ausbau dürfte zwischenzeitlich angesiedelte Arten verscheucht haben.
Der Einwand, dass Artenschutzmaßnahmen Steuerverschwendung seien, ist weit verbreitet, so Graichen. „Warum wird versucht, bei Lebewesen zu feilschen, um die Auflagen abzumildern?“, fragt er. Diese Ansichten bestärken ihn jedoch, weiter an den ökologischen Zielen festzuhalten und am Erhalt einer artenreichen Flora und Fauna im Südraum von Leipzig zu arbeiten. Wobei es aber auch viele Positivbeispiele von Kommunen, Firmen und Einrichtungen gebe.
Trotz der kritischen Ansichten hatte Groitzsch den Auftrag für die Umsiedlung der Zauneidechsen vergeben – an die Öko-Station Birkenhain. Jetzt steht ein Beschluss für den Bau von Ersatzhabitaten auf der Tagesordnung.

Datum: 2017-01-23


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