Tierschützer im Landkreis Leipzig raten zu Tränken im Garten

Die Singvögel im heimischen Garten brauchen Wasser – unabhängig davon, ob sie Samen oder Insekten bevorzugen. Die anhaltende Trockenheit setzt ihnen zu. Naturschützer beobachten, dass die Zahl der Bruten geringer ausfällt als sonst. Und das in einer Phase, in der einige Arten bereits bedroht sind.

Borna/Bad Lausick
Egal ob Rotkehlchen oder Blaumeise, Amsel oder Mönchsgrasmücke: Die Singvögel im heimischen Garten brauchen Wasser – unabhängig davon, ob sie Samen oder Insekten bevorzugen. Die anhaltende Trockenheit setzt ihnen zu, denn ausreichend Insekten zu finden ist vielerorts beinahe ebenso schwer wie Wasser.
Trockenheit schmälert Bruterfolg
„Ich will nicht dramatisieren, aber dass diese Hitze negative Auswirkungen hat, ist anzunehmen. Vor allem dürfte der Bruterfolg geringer sein als sonst“, sagt Christopher Arnold, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ökologischen Station Borna-Birkenhain. Das Wetterphänomen treffe die Singvögel zu einer Zeit, die ohnehin durch einen zum Teil sehr deutlichen Rückgang vieler Arten gekennzeichnet sei. Ein Trend, den der Naturschutzbund Nabu mit seiner Langzeitstudie „Stunde der Gartenvögel“ kürzlich erneut dokumentierte. Aufgrund der Trockenheit verzichteten einige Arten auf eine sonst übliche zweite oder dritte Brut. Nicht nur, dass es an Wasser und Insekten fehle; längst hätten sich auch Regenwürmer und anderes Getier, das Nahrungsgrundlage sei, in tiefere Erdschichten zurückgezogen, ergänzt Arnolds Kollegin Katja Tölg. Wer den Vögeln helfen wolle, sollte in seinem Garten oder auf dem Balkon flache Wasserschalen aufstellen. Platziere man darin zusätzlich einen Stein, hätten auch Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten die Möglichkeit zu trinken. Das lasse sich ohne Aufwand machen, habe aber eine große positive Wirkung. Zudem könne man diese Notlage zum Anlass nehmen, um mittelfristig den Garten für Singvögel freundlicher zu gestalten – mit Tränken, Nistmöglichkeiten, heimischen Blumen, Gräsern und anderen Samenpflanzen. Zwar falle es Vögeln nicht schwer, aus trockenen Gärten einige hundert Meter weit auszuweichen in die Nähe eines Gewässers, doch koste auch das Energie und löse das Problem nur bedingt.
Von Vogelbecken profieren Igel
„Wir haben eine Menge Singvögel hier, weil wir die Bepflanzung entsprechend ausgerichtet haben, weil es hier Wasser und Nahrung gibt“, sagt Harald Lange. Der renommierte Tierfotograf, der am Rand von Thierbaum lebt, kümmert sich um sie nicht nur, um sie fotografieren zu können. „Natürlich beobachte ich sie intensiv. Aber ich gebe gerne auch Geld aus, um der Natur etwas zurückzugeben.“ Von den Vogelbecken profitierten nicht nur gefiederte Gäste, sondern auch Igel. Weil der Januar-Sturm Friederike zahlreiche Höhlenbäume knickte, schaffte Lange weitere Nisthilfen für Höhlenbrüter an. „Bei uns leben sehr viele Arten, aber es sind deutlich weniger als früher“, sagt er. Dass allerdings der inzwischen nur noch wenigstimmige Gesang in der Dämmerung eine Folge der Trockenheit ist, glaubt er nicht: „Der Gesang verweist vor allem auf Revieransprüche. Doch mit den Bruten ist es seit Anfang/Mitte Juli bei den meisten vorbei.“
Nester der Rauchschwalben trocknen aus
Einer besonderen Gefahr sind in diesem Sommer die Rauchschwalben ausgesetzt. „Die Nester trocknen aus. Manche werden instabil gerade dann, wenn die Jungen am größten sind“, sagt Tomas Brückmann, der im Auftrag der Grünen Liga die Rauchschwalben im Kohrener Land betreut. In Rathendorf habe der Eigentümer eines Hofes in letzter Minute ein Nest mit einem Band sichern können. Zwar gebe es Nisthilfe, so Brückmann; wenn man aber sofort helfen müsse, könne man Jungvögel auch in ein benachbartes Nest umsetzen oder ein Karton als Interim an der Wand anbringen. Vor falscher Fürsorge warnt Katja Tölg: „Manche, die einen flüggen Jungvogel sehen, denken, er ist verlassen und wollen ihn in Sicherheit bringen.“ Oftmals ein Trugschluss, denn er werde weiter in Nestnähe von den Altvögeln gefüttert. Lediglich wenn ein Vogel offenkundig verletzt sei, könne man versuchen zu helfen. Dann sei ein Tierarzt oder eine Pflegestation für Wildtiere die richtigen Ansprechpartner. Ausnahme: Ein Mauersegler am Boden sei immer hilfsbedürftig.
www.wildvogelhilfe.org
Von Ekkehard Schulreich
Quelle: Leipziger Volkszeitung, 28.07.2018

Datum: 28.07.2018


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